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II.

Alles ruhig

Wo sind die Künstler, die unerschöpflich produzieren? Natürlich nur gute Sachen, versteht sich. Ständig im Flow, als würden sie immer Zucker essen und Bier trinken. Aus den inneren Löchern machen sie was, schöpfen Ideen und kreieren neue Arbeiten. Intellektuell, kreativ, hemmungslos. Ohne Ende gute Kunst. Scheitern ist nicht erlaubt.

Und ich? Kaum ist ein Werk abgeschlossen, eine Ausstellung beendet, ist aus meinem Loch in der Erde nichts zu holen. Nichts ausser der Frage, ob ich eine Umschulung machen soll.

Wie ich wohl weiter mache. Ich hole mir alle möglichen Meinungen zu Rate. Herumprobieren. Schau‘, wie Künstlerin X konsequent an ihrer Entwicklung dran bleibt, das könntest du doch auch machen. Geht aber nicht. Mach‘ mal Pause und entspanne dich. Nur nicht aufgeben. Mechanisches Malen. Was, wenn der eigene Stil mal neue Impulse braucht? Andere Kunst anschauen, lesen, mich betäuben. Es kommt nichts Neues. Jammern hilft auch nicht, schreiben vielleicht. Wer treibt mich eigentlich so an?

Alles ruhig hier. Kein inspiriertes Lüftchen weht. Die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Hoffentlich. Die Ruhe macht mich nervös. Bin ich nicht Künstlerin geworden, um alles mögliche zu erfahren? Die Höhen und Tiefen. Den Flow und die Ruhe dazwischen. Künstlerin geworden, um auch diejenigen Phasen auszuhalten, die nicht mit Ruhm bekleckert sind. Ich glaube nicht. Die produktive Getriebenheit der Welt zerrt mich mit. Erfolgsgeschichten, Selbstoptimierung, jedes Zeitfenster so gut wie möglich ausnützen, aus nichts etwas machen, alles ist toll und nichts ist ruhig. Eine aktive Gesellschaft sind wir. Jäger und Sammler. Künstler und Sammler. Wen jage ich? 

20.Februar 2020

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